Chemielabortechnik

Der Lehrberuf Chemielabortechnik wurde per 1. Juni 2015 durch den Modullehrberuf Labortechnik ersetzt. Berufs- und Ausbildungsbeschreibungen findest du unter:

Chemielabortechniker*innen führen chemische, physikalisch-chemische, biochemische und biotechnologische Untersuchungen und Versuche an verschiedensten Stoffen durch. Mit Hilfe von computergesteuerten Geräten und Mikroskopen untersuchen sie Chemikalien (z. B. Säuren, Gase), Zwischenprodukte (z. B. Kunststoffe und Metalle) sowie Endprodukte (z. B. Lebensmittel, pharmazeutische Produkte). Sie arbeiten gemeinsam mit ihren Berufskolleg*innen und Fachkräften im Bereich Chemie (z. B. Chemiker*innen, Chemieverfahrenstechniker*innen, Biolog*innen) in Labors.

Synonym zu Hauptberuf

Tätigkeiten und Aufgaben

  • technische Unterlagen lesen und anwenden
  • Arbeitsschritte, Arbeitsmittel und Arbeitsmethoden festlegen
  • Arbeitsabläufe planen und steuern, Arbeitsergebnisse beurteilen, Qualitätsmanagementsysteme anwenden
  • Arbeiten unter Berücksichtigung der einschlägigen Sicherheitsvorschriften, Normen, Sicherheitsstandards und Umweltstandards ausführen
  • erforderliche Materialien auswählen, beschaffen und überprüfen
  • technische Daten über den Arbeitsablauf und die Arbeitsergebnisse erfassen
  • Versuchs- und Untersuchungsapparate aufbauen und daran arbeiten
  • Messungen durchführen sowie Rohstoffe und Zwischenprodukte bestimmen
  • physikalische, chemische und biologische Prozesse überwachen und steuern
  • präparative Tätigkeiten in labor- und halbtechnischem Maßstab durchführen
  • Berechnungen physikalischer und chemischer Natur durchführen
  • Kalibrierungen durchführen
  • Maßnahmen zur chemischen Qualitätssicherung durchführen

In jedem Beruf brauchst du spezielles fachliches Know-how, das in der Aus- und Weiterbildung vermittelt wird. In den beiden Menüpunkten Ausbildung und Weiterbildung findest du Informationen zu Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für diesen Beruf.

Es gibt auch Kompetenzen, Fähigkeiten und Eigenschaften, die in allen Berufen wichtig sind. Dazu gehören besonders:

  • Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit
  • genaues und sorgfältiges Arbeiten
  • selbstständiges Arbeiten
  • Einsatzfreude
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Fähigkeit und Bereitschaft mit anderen zusammen zu arbeiten (Teamfähigkeit)
  • Lernbereitschaft

Die folgende Liste gibt dir einen Überblick über weitere allgemeine Anforderungen, die in DIESEM Beruf häufig gestellt werden. Diese können natürlich je nach Betrieb, Institution oder Organisation sehr unterschiedlich sein.

DENK DARAN: Viele dieser Anforderungen sind auch Bestandteil der Ausbildung.

Hinweis: Die Begriffe werden in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet.

    Körperliche Anforderungen: Welche körperlichen Eigenschaften sind wichtig?

  • Auge-Hand-Koordination
  • gute Reaktionsfähigkeit
  • gutes Sehvermögen (viel Lesen bzw. Arbeiten am Computer)
  • Unempfindlichkeit gegenüber chemischen Stoffen
  • Unempfindlichkeit gegenüber Gerüchen

     

    Fachkompetenz: Welche Fähigkeiten und Kenntnisse werden von mir erwartet?

  • Anwendung und Bedienung digitaler Tools
  • chemisches Verständnis
  • gute Beobachtungsgabe
  • technisches Verständnis

     

    Sozialkompetenz: Was brauche ich im Umgang mit anderen?

  • Kommunikationsfähigkeit

     

    Selbstkompetenz: Welche persönlichen Eigenschaften sollte ich mitbringen?

  • Aufmerksamkeit
  • Flexibilität / Veränderungsbereitschaft
  • Sicherheitsbewusstsein
  • Umweltbewusstsein
  • Zielstrebigkeit

     

    Methodenkompetenz: Welche Arbeits- und Denkweisen sind wichtig?

  • interdisziplinäres Denken
  • komplexes / vernetztes Denken
  • logisch-analytisches Denken / Kombinationsfähigkeit
  • Organisationsfähigkeit
  • systematische Arbeitsweise

Der Lehrberuf Chemielabortechnik wurde per 1. Juni 2015 durch den Modullehrberuf Labortechnik ersetzt. Im Lehrberuf Chemielabortechnik können keine Ausbildungen mehr begonnen werden.

Infos zur Ausbildung siehe °Labortechnik (Modullehrberuf)#.

Selbstständigkeit

Die Möglichkeit einer selbstständigen Berufsausübung ist z. B. gegeben durch:

Reglementierte Gewerbe:

  • Chemische Laboratorien, BGBl. II Nr. 36/2003 idF BGBl. II Nr. 399/2008
  • Gewerbe der Drogisten, BGBl. II Nr. 130/2003

Information zum „Reglementierten Gewerbe/Handwerke“: die Zulassungsbedingungen für reglementierte Handwerke und Gewerbe sind bundesgesetzlich geregelt (siehe hierzu die jeweils angegebenen Bundesgesetzblätter, einsehbar unter: Rechtsinformationssystem Österreich)

Freie Gewerbe:

  • Erzeugung chemisch-technischer Produkte

Informationen zum „Freien Gewerbe“: freie Gewerbe erfordern in der Regel keinen Befähigungsnachweis, sondern lediglich eine Anmeldung bei der Gewerbebehörde. Grundsätzlich richtet sich der Gewerbeumfang nach dem Wortlaut der Gewerbeanmeldung.

Liste der Freien Gewerbe:


ALLGEMEINE HINWEISE:

Für jede Tätigkeit, die Sie selbstständig, regelmäßig und mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, ausüben wollen, brauchen Sie eine Gewerbeberechtigung (Ausnahme: Freie Berufe). Diese erhalten Sie durch Anmeldung bei der Gewerbebehörde (Bezirkshauptmannschaft, Magistrat).
Unabhängig von einem etwaigen Befähigungsnachweis müssen sie dafür folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • das 18. Lebensjahr muss vollendet sein
  • österreichische Staatsbürgerschaft oder Staatsbürgerschaft eines anderen EU-Mitgliedstaates (oder eines Staates, mit dem ein entsprechender Staatsvertrag besteht) oder es liegt ein gültiger Aufenthaltstitel vor, der zur selbstständigen Tätigkeit berechtigt
  • keine Ausschließungsgründe (z. B. abgewiesene Konkursanträge, Bestrafung wegen Finanzstrafdelikten)

Weitere Informationen und Kontakte:

Berufsinfos werden zur Verfügung gestellt von:

Folgende Inhalte löschen:

Arbeitsbereiche

„Da mein Lehrbetrieb gewerbliche Sprengstoffe herstellt, gehört es zu meinen Aufgaben, Sprengstoffanalysen durchzuführen. Das ist eine spannende Aufgabe, bei der Genauigkeit gefragt ist.“
Christoph Knapp, Lehrling bei der Austin Powder GmbH, ibw Fotowettbewerb 2007

Chemielabortechniker*innen arbeiten im analytischen oder synthetischen Aufgabenbereich. Im analytischen Bereich beschäftigen sie sich mit der Bestimmung der Inhaltsstoffe und der Gewinnung von Proben. Im synthetischen Bereich arbeiten sie im Zuge der Herstellung neuer und verbesserter Stoffe an Materialuntersuchungen und Prozessentwicklungen.

Chemielabortechniker*innen bestimmen und messen beispielsweise die Inhaltsstoffe von Materialien, das Fließverhalten, den Schmelzpunkt usw. (Analyse). Sie stellen auch chemische Verbindungen für Heilmittel, Pflanzenschutzmittel, Kosmetika usw. her (Synthese).

Einerseits erfolgt die Durchführung der gestellten Aufgaben unter Einsatz klassischer Verfahren, andererseits ist sie die moderne Untersuchungstechnik geprägt von computergesteuerten Geräten und Analyseautomaten.

Arbeitsmittel

Chemielabortechniker*innen hantieren mit den unterschiedlichsten Materialien (z. B. pharmazeutische Produkte/Medikamente, Lebensmittel, Metalle, Kunststoffe). Sie verwenden und bedienen Laborcomputer, Mikroskope, Photometer, Chromatographiegeräte, Thermometer usw., setzen Hilfsmitteln ein (z. B. Reagenzgläser, Kolben, Saugflaschen, Vakuumfilter) und führen Protokolle über ihre Ergebnisse.

Arbeitsumfeld

Chemielabortechniker*innen arbeiten in Labors und Produktionshallen. Sie arbeiten – je nach Größe und Art des Betriebes oder der Institution im Team mit Fachkräften des Berufsbereichs Chemie zusammen, wie z. B. mit Chemiker*innen, Chemieverfahrenstechniker*innen (siehe Chemieverfahrenstechnik (Lehrberuf)), Biolog*innen (siehe Biologe / Biologin) oder Lebensmitteltechniker*innen.

  • Forschungs-, Betriebs-, Entwicklungs- und Kontrolllabors von Betrieben verschiedener Industriebereiche, wie Kunststoff-, Pharma-, Baustoffindustrie, Elektronik-, Erdöl-, Textilindustrie etc.
  • Institute und Betriebe, die im Umweltbereich tätig sind, wie Recycling- oder Abwasseraufbereitungsbetriebe
  • Forschungsinstitute an Universitäten

Weiterbildung für Chemielabortechniker*innen bedeutet, sich kontinuierlich zusätzliche Fähigkeiten und Kenntnisse in folgenden Bereichen anzueignen:

  • Fachspezifische Kurse (z. B. Rohstoffe, Produkte, Laborgeräte, Analysemethoden, Labor- und Messtechnik, Lebensmittelanalytik)
  • EDV (im Bereich der chemischen und physikalisch-chemischen Analyse und Synthese)
  • Zusätzliche Kenntnisse aus dem jeweiligen Fachbereich (z. B. Waschmittel- und Kosmetikindustrie, Medikamentenherstellung, Lebensmittelindustrie)
  • Kenntnisse aus Nachbargebieten wie z. B. Biologie, Mikrobiologie, Physik
  • Fremdsprachen (vor allem technisches Englisch)
  • Recht (z. B. Europäische Rechtsnormen, Umweltschutzbestimmungen)

Die Weiterbildung der Chemielabortechniker*innen erfolgt größtenteils innerbetrieblich sowie durch das Studium von Fachliteratur. Darüber hinaus besteht natürlich die Möglichkeit, ein Kolleg zu besuchen oder die Studienberechtigung zu erwerben und ein Universitäts- oder Fachhochschulstudium zu beginnen.

Weiterführende Bildungsmöglichkeiten und Höherqualifizierung:

Autoklav

Ein Autoklav ist ein gasdicht verschließbarer Druckbehälter. Er wird für Hygiene- und Reinigungsanwendungen in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt, z. B. in der Chemietechnik, Medizintechnik, Lebensmitteltechnik oder Biologie. Autoklaven sind Apparate, in denen Wasserdampf unter Überdruck auf verschiedene Objekte (z. B. Instrumente, chemische Stoffe, Lebensmittel) einwirkt, um Sterilität zu erreichen.

Bakterien

Bakterien sind einzellige Mikroorganismen ohne Zellkern. Sie eignen sich sehr gut für biotechnologische Produktionsverfahren, da sie in billigen Nährlösungen schnell vermehrt werden können.

Biochemie

Wissenschaft von der chemischen Zusammensetzung und chemischen Prozessen in biologischen Organismen.

Bioreaktor

Produktions- bzw. Laboranlagen, in denen Bakterien, Hefezellen usw. medizinisch oder lebensmitteltechnisch einsetzbare Substanzen herstellen.

Biosynthese

Der Prozess des Aufbaus von chemischen Verbindungen in den Zellen von lebenden Organismen.

Chemikalien

Chemikalien sind – vereinfacht gesagt – chemische Stoffe, die in wissenschaftlichen Labors oder in der chemischen Industrie hergestellt oder eingesetzt werden.

Chemische Analyse

Zusammengesetzte Stoffe und Stoffgemische werden in ihre Einzelbestandteile zerlegt und genau untersucht. Dies geschieht mit chemischen oder physikalischen Methoden.

Chromatographie

Ein Verfahren zur Trennung chemisch nahe verwandter Stoffe.

Destillieren

Das Reinigen und Trennen meist flüssiger Stoffe durch Verdampfen und anschließendes Wiederverflüssigen.

Essenzen

Auszüge aus pflanzlichen oder tierischen Stoffen; Flüssigkeit, Paste, Pulver aus Duft- und Geschmacksstoffen in konzentrierter Form.

Extrakt

Auszug aus einem pflanzlichen oder tierischen Stoff.

Extraktion

Die Herauslösung einzelner chemischer Bestandteile aus einem flüssigen oder festen Stoffgemisch mit einem geeigneten Lösungsmittel.

Filtrieren

Eine Flüssigkeit oder ein Gas mithilfe eines Filtes von darin enthaltenen Bestandteilen trennen.

Gravimetrie

Ein Verfahren zur mengenmäßigen Bestimmung von Elementen und Gruppen in Stoffgemischen.

Lauge

Laugen sind alle Flüssigkeiten mit einem pH-Wert größer als 7.

Oxidation

Oxidation nennt man den Prozess der Verbindung eines chemischen Stoffes mit Sauerstoff.

pH-Wert

Der pH-Wert ist ein Maß für den Gehalt an Säure-Wasserstoff in einer sauren, neutralen oder alkalischen Lösung.

Photochemie

ein Teilgebiet der Chemie, das die chemischen Wirkungen des Lichtes erforscht.

Photometer

ein Gerät, mit dem (durch Vergleich zweier Lichtquellen) die Lichtstärke gemessen wird.

Polarografie

Die Polarografie ist ein elektrochemisches Verfahren zur Analyse von chemischen Elementen und Verbindungen, vor allem Ionen und Molekülen in einer Lösung.

Reinraum

Ein Reinraum ist ein Raum (häufig Labor), in dem der Anteil luftgetragener Teilchen (kleinste Teilchen, die in der Luft schweben) möglichst gering gehalten wird. Reinräume spielen unter anderem in der Medikamentenerzeugung, medizinischen Forschung, Optik, Nanotechnologie und Biowissenschaften, Lasertechnologie, Luft- und Raumfahrttechnik, Mikroelektronik usw. eine große Rolle.
Die Arbeit unter Reinraumbedingungen ist erschwert, weil auch die Mitarbeiter*innen (z. B. Reinraum-Operator*in) spezielle sterile Schutzanzüge tragen (Ganzkörperoverall, Schutzbrille, Handschuhen, Mundschutz), die die Bewegungsfreiheit deutlich einschränken.

Säure

Säuren sind alle Flüssigkeiten mit einem pH-Wert zwischen 0 und weniger als 7. Ph ist die Abkürzung für lateinisch potentia hydrogenii, Wasserstoff-Stärke und die Maßzahl für die Wasserstoffionen-Konzentration und damit für die Acidität oder Alkalität einer Lösung.