Gerber*innen verarbeiten Großviehhäute und Kleintierfelle zu Leder. Großviehhäute stammen vorwiegend von Rindern, Kleintierfelle von Ziegen und Schafen. Das Erzeugnis der Gerber*innen ist Leder für Möbel, Schuhe, Handschuhe, Taschen, Bekleidung, Riemen usw. Gerber*innen arbeiten mit speziellen Gerber- und Spaltmaschinen, Färbetrommeln usw. und verwenden Gerbstoffe, Farben und Imprägniermittel.
Sie arbeiten meist in gewerblichen Werkstätten in wenigen Fällen auch in der Lederindustrie, zusammen mit Berufskolleg*innen und Vorgesetzten zusammen und haben Kontakt zu Kund*innen und Lieferant*innen.
In jedem Beruf brauchst du spezielles fachliches Know-how, das in der Aus- und Weiterbildung vermittelt wird. In den beiden Menüpunkten Ausbildung und Weiterbildung findest du Informationen zu Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für diesen Beruf.
Es gibt auch Kompetenzen, Fähigkeiten und Eigenschaften, die in allen Berufen wichtig sind. Dazu gehören besonders:
Die folgende Liste gibt dir einen Überblick über weitere allgemeine Anforderungen, die in DIESEM Beruf häufig gestellt werden. Diese können natürlich je nach Betrieb, Institution oder Organisation sehr unterschiedlich sein.
DENK DARAN: Viele dieser Anforderungen sind auch Bestandteil der Ausbildung.
Hinweis: Die Begriffe werden in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet.
Mit einer erfolgreich abgeschlossenen Lehre und vier weiteren Prüfungen erlangst du die Berufsmatura (Berufsreifeprüfung). Diese öffnet dir den Zugang zu Universitäts- und Fachhochschulstudien. Außerdem ermöglicht sie zusätzliche Karrierewege im erlernten Beruf, aber auch außerhalb des bisherigen Berufsfeldes.
Und so geht es:
Die Berufsmatura besteht aus vier Teilprüfungen: Deutsch (schriftlich und mündlich) und Mathematik (schriftlich), eine lebende Fremdsprache (schriftlich oder mündlich) und ein Fachbereich (schriftliche Prüfung oder Projektarbeit und mündliche Prüfung). Der Fachbereich ist ein Thema aus dem Berufsfeld des Kandidaten/der Kandidatin.
Wie funktioniert die Vorbereitung?
Die Vorbereitung auf die Berufsreifeprüfung erfolgt in Vorbereitungskursen, die von Erwachsenenbildungseinrichtungen (z. B. WIFI, BFI, Volkshochschulen), Berufsschulen oder höheren Schulen (z. B. AHS, HAK, HTL, HLW) angeboten werden. In solchen Lehrgängen können auch die jeweiligen Teilprüfungen abgelegt werden. Drei der vier Teilprüfungen können bereits während der Lehre abgelegt werden. Zur letzten Teilprüfung kannst du nach erfolgreichem Lehrabschluss, aber nicht vor dem 19. Geburtstag antreten.
Durch ein Förderprogramm, können die Vorbereitungskurse und die Prüfung seit September 2008 in ganz Österreich kostenlos angeboten werden. Zur konkreten Ausgestaltung der Vorbereitung auf die Berufsreifeprüfung bestehen in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Modelle. Informationen bieten u. a. die Bildungseinrichtungen und die Lehrlingsstellen der Wirtschaftskammern.
Link: Häufig gestellte Fragen!
Die WKO-Bildungspfade geben dir einen Überblick über durchgängige Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten in unterschiedlichen Berufen am Beispiel der WKO Bildungsangebote. Der Bildungspfad Berufsreifeprüfung steht in allen Lehrberufen offen:
Die Möglichkeit einer selbstständigen Berufsausübung ist gegeben durch:
Freies Gewerbe: u. a.:
Informationen zum „Freien Gewerbe“: freie Gewerbe erfordern in der Regel keinen Befähigungsnachweis, sondern lediglich eine Anmeldung bei der Gewerbebehörde. Grundsätzlich richtet sich der Gewerbeumfang nach dem Wortlaut der Gewerbeanmeldung.
Liste der Freien Gewerbe:
ALLGEMEINE HINWEISE:
Für jede Tätigkeit, die Sie selbstständig, regelmäßig und mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, ausüben wollen, brauchen Sie eine Gewerbeberechtigung (Ausnahme: Freie Berufe). Diese erhalten Sie durch Anmeldung bei der Gewerbebehörde (Bezirkshauptmannschaft, Magistrat).
Unabhängig von einem etwaigen Befähigungsnachweis müssen sie dafür folgende Voraussetzungen erfüllen:
Freie Berufe sind selbstständige (freiberufliche) Tätigkeiten, die nicht der Gewerbeordnung unterliegen (z. B. Arzt/Ärztin und andere Gesundheitsberufe, Rechtsanwalt/-anwältin, Musiker*in, Schriftsteller*in und andere Künstlerberufe). Für einige freie Berufe ist die Berufsausübung durch eigene Rechtsvorschriften (Ärztegesetz, Rechtsanwaltsordnung, Ziviltechnikergesetz etc.) geregelt und es bestehen eigene Interessensvertretungen (Kammern oder Berufsverbände), denen die Aufnahme der selbstständigen Berufstätigkeit gemeldet werden muss. Für andere freie Berufe, wie z. B. Künstler*in, Schriftsteller*in, Journalist/Journalistin, bestehen keine besonderen Rechtsvorschriften und Meldepflichten.
In allen Fällen einer selbstständigen Berufsausübung (ob im Rahmen eines Gewerbes oder als freiberufliche Tätigkeit) ist diese bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft und dem zuständigen Finanzamt zu melden.
Weitere Informationen und Kontakte:
Durch die Verwandtschaftsregelung wird die Ausbildung in einem Lehrberuf auf Teile der Lehrzeit in anderen (verwandten) Lehrberufen angerechnet. Dadurch verkürzt sich die Lehrzeit bei der Ausbildung in einem weiteren Lehrberuf (oder auch beim Wechsel auf einen verwandten Lehrberuf). In manchen Fällen wird die Lehrzeit und die Lehrabschlussprüfung auch vollkommen ersetzt.
Bei folgenden verwandten Lehrberufen verkürzt sich die Lehrzeit im Ausmaß der angegebenen Lehrjahre. (Beispiel: Der Eintrag „1. voll“ bedeutet z. B., dass sich die Lehrzeit im verwandten Lehrberuf um ein Jahr verkürzt.)
Alternative Berufe sind Berufe, die entweder eine ähnliche Ausbildung oder ähnliche Aufgaben- oder Tätigkeitsbereiche haben, wie der Beruf, über den du dich gerade informierst. Die Ähnlichkeit kann auch in den Arbeitsmaterialien, den Arbeitsumgebungen liegen oder in der Art, wie du mit anderen Menschen zusammenarbeitest.
Diese Liste soll dir bei der Überlegung helfen, welche Berufe und Ausbildungen für dich noch interessant sein könnten und dich auf weitere Ideen bringen.
Gerber*innen behandeln Häute mit pflanzlichen Gerbstoffen wie Rinden, Hölzer und Blätter (Rotgerberei) und erzeugen daraus Leder für Möbel (z. B. Sitzgarnituren und Autositze, Schuhe und Riemen). Bei der Behandlung der Häute mit mineralischen Gerbstoffen, wie Chrom- und Aluminiumsalze (Weißgerberei) oder mit fetten Gerbstoffen wie Fischölen (Sämischgerberei) werden Leder für Bekleidung, Handschuhe, Taschen, Riemen usw. hergestellt. Die Ausgangsmaterialien für die Gerbung sind Häute und Felle von Rindern, Ziegen und Schafen. Die Umwandlung der Haut in Leder findet während der Gerbung statt.
Vor dem Gerben beginnen Gerber*innen damit, Häute und Felle zu sortieren und sie auf Fehler zu untersuchen. Die zu bearbeitenden Häute und Felle sind bereits durch Einsalzen von den Lieferfirmen konserviert oder sie werden „grün“ (ohne Vorbehandlung) angeboten. Gerber*innen „weichen“ nun die Häute ein, d. h. sie legen sie zur Reinigung in Wasser. Dadurch quellen die Häute auf. Danach „äschern“ sie die Häute, d. h. sie entfernen die Haare der Haut unter Zusatz von Chemikalien. Sie „blößen“ die Häute, d. h. sie entfleischen sie mit Messerwalzen und „spalten“ sie in Spaltmaschinen. Dadurch trennen sie den minderwertigen „Fleischspalt“ vom ästhetisch anspruchsvolleren „Narbenspalt“ (Außenteil der Haut). Sie waschen nun die Häute, um Enthaarungschemikalien zu entfernen und lösen restliche Haar- und Fettreste durch Beizmittel.
Gerber*innen legen dann die vorbereiteten Häute in Fässer ein und fügen Gerbstofflösungen aus Blättern, Rinden und Hölzern, Chrom- und Aluminiumsalzen oder Fischölen hinzu. Sie lassen die Häute in der Gerbstofflösung zum Gerben liegen. Vor allem in der industriellen Lederproduktion werden die Gerbfässer auch durch spezielle, oft computergesteuerte, Maschinen ersetzt. Hier sind Gerber*innen auch für einfache Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten zuständig.
Danach entnehmen sie diese, pressen das aufgenommene Wasser an einer Abwalkpresse ab und walzen die Häute gleichmäßig. Sie färben und fetten Häute mit Farb- und Fettlösungen, trocknen und bügeln sie und färben sie abschließend ein weiteres Mal. Bei Velours- und Nubukleder schleifen sie vor der Zurichtung eine Seite des Leders an, damit der für diese Lederarten typische Samteffekt erzielt wird.
Gerber*innen arbeiten mit Gerbfässern, an speziellen Gerbermaschinen, Färbetrommeln, Abwalk- und Walzmaschinen, Spaltmaschinen sowie Maschinen und Einrichtungen zum Entwässern und Trocknen von Leder, zum Bürsten, Glätten, Prägen und Aufbringen von Farben und Imprägniermitteln. Sie setzen verschiedene Messer, Maßbänder usw. ein. Sie verwenden die Gerbstofflösungen (aus Blättern, Rinden, Hölzern, Chrom- und Aluminiumsalze, Fischöle), Beizmittel (u. a. eiweißabbauende Enzympräparate) und verschiedene Chemikalien.
Auch in der Lederproduktion hat die moderne Produktionstechnik Einzug gehalten. Vor allem in Industriebetrieben arbeiten Gerber*innen mit modernen elektronisch bzw. digital gesteuerten Produktionsmaschinen und -anlagen und nutzen branchenspezifische CAD- und CAM -Softwareprogramme für die Verarbeitung und Veredelung der Lederprodukte.
Gerber*innen arbeiten in kleingewerblichen Werkstätten von Lederherstellungsbetrieben oder in einer der wenigen österreichischen Lederindustriebetriebe. Sie arbeiten gemeinsam mit Berufskolleg*innen und Vorgesetzten und haben Kontakt zu Kund*innen und Lieferant*innen. Vor allem in den Industriebetrieben, wo das Leder direkt verarbeitet wird, haben Sie auch Kontakt zu Berufskolleg*innen, die das Leder weiterverarbeiten (z. b. Bekleidungsgestaltung – Kürschner*in und Säckler*in (Modullehrberuf), Sattlerei (Lehrberuf), Handschuhmacher*in (Lehrberuf)).
Die Verarbeitung von Häuten und Fellen zu Leder ist von viel Einsatz von Wasser und Chemikalien sowie starker Geruchsbelastung geprägt.
Gerber*in ist in Österreich ein Nischenberuf und wird primär in gewerblichen Kleinbetrieben ausgeübt. Die Entwicklungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten sind daher eher begrenzt und ergeben sich oft in angrenzenden, anderen Berufsbereichen im Textil-, Leder- und Modebereich.
Grundsätzlich sind mit entsprechender Berufserfahrung und Weiterbildung beispielsweise folgende Spezialisierung möglich:
Gerber*innen sind beruflich immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Voraussetzung für Erfolg in diesem Beruf ist es, immer auf dem neuesten Stand der Entwicklung zu bleiben und das Fachwissen, die Methodenkompetenzen und sozialen Kompetenzen laufend zu ergänzen und zu vertiefen.
Für Gerber*innen gibt es nur relativ wenige fachspezifische Weiterbildungsmöglichkeiten. Weiterbildungseinrichtungen wie z. B. das Berufsförderungsinstitut (BFI) und das Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) bieten vor allem Kurse und Lehrgänge für die Bereiche Produktionssteuerung, Betriebsführung und Qualitätsmanagement sowie viele kaufmännische Themenbereiche an.
Zur Vermittlung von Anwendungskenntnissen neuer Techniken oder Maschinen (z. B. digitale Steuerung) bieten viele Herstellerfirmen eigene Schulungen an. Die meisten Weiterbildungsmöglichkeiten werden betriebsintern durchgeführt.
Aufgrund des hohen Konkurrenzdrucks auf die österreichische Ledererzeugung und -verarbeitung durch billigere ausländische Produkte und den zunehmenden Automatisierungsgrad der industriellen Fertigung ist die laufende Weiterentwicklung durch Weiterbildung und Spezialisierung für Fachkräfte in diesem Bereich besonders wichtig. Dadurch die hohe Qualität ihrer Arbeit und die laufende Weiterentwicklung ihrer spezialisierten Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen bleiben Gerber*innen konkurrenzfähig und finden interessante Beschäftigungsmöglichkeiten vor, insbesondere in anderen Bereichen der Textil-, Leder- und Modebranche.
Möglichkeiten zur beruflichen Höherqualifizierung bieten außerdem Vorbereitungs- und Aufbaulehrgänge für Berufstätige an berufsbildenden höheren Schulen, insbesondere an Bundeslehranstalten für Chemie.
Mit dem Abschluss eines Aufbaulehrganges (3 Jahre) ist neben einer höheren Fachqualifikation außerdem die Matura verbunden, die ein Studium an Fachhochschulen und Universitäten (z. B. Qualitätsmanagement) ermöglicht.
Studium ohne Matura:
Für ein Studium an einer Fachhochschule, Universität oder Pädagogischen Hochschulen ist normalerweise die Matura einer Allgemeinbildenden (AHS) oder Berufsbildenden Höheren Schule (BHS) erforderlich.
Es bestehen aber auch andere Zugangsmöglichkeiten:
Weiterführende Bildungsmöglichkeiten und Höherqualifizierung:
Dollieren | Fachbegriff der Lederver- und -bearbeitung: Vorgang, bei der das Fleisch von der Rückseite des Fells abgeschabt wird. |
Rotgerben | Häute werden durch Einwirken von pflanzlichen Stoffen wie z. B. Blätter, Rinden behandelt |
Sämischgerben | Behandlung von Häuten durch Einwirken von Fetten (meist Fischöl) |
Weißgerben | Tierhäute werden durch Einwirken von mineralischen Gerbstoffen wie z. B. Chrom- und Aluminiumsalze behandelt, und dadurch zu Leder verarbeitet. |