Rauwarenzurichter*in

Die Lehrausbildung im Beruf Rauwarenzurichter*in wurde per 31. Mai 2019 aufgehoben. In diesem Beruf können keine neuen Lehrausbildungen mehr begonnen werden.

Rauwarenzurichter*innen verarbeiten rohe Felle durch chemische und physikalische Behandlung zu Pelzen. Sie wählen verschiedene Arten von Fellen wie Nerz, Fuchs, Kaninchen, Schaf usw. aus und bearbeiten diese, um sie zu konservieren und geschmeidig zu machen. Dafür verwenden sie verschiedene Messer und Bürsten sowie Entfleisch- und Schleifmaschinen. Außerdem hantieren sie mit Laugen, Säuren und Gerbstoffen. Rauwarenzurichter*innen arbeiten sowohl in gewerblichen als auch in industriellen Rauwarenzurichtungsbetrieben mit ihren Arbeitskolleg*innen und Vorgesetzten zusammen. Je nach Betriebsgröße haben sie Kontakt mit Kund*innen und Lieferant*innen.

Sonstiger Beruf
Hauptberuf
Lehrzeit:
2 Jahre

Tätigkeiten und Aufgaben

  • Felle in Bottiche und Fässer mit Waschmittellösungen einweichen
  • am Unterhautgewebe noch anhaftende Fleischreste mit Kreismessern oder Entfleischmaschinen entfernen
  • Felle mit Kochsalz oder organischen Säuren beizen und pickeln
  • Gerblösung nach Rezeptur (die Felle bleiben 12 bis 24 Stunden darin liegen) ansetzen
  • die gegerbten Felle chemisch und mechanisch nachbehandeln
  • die Felle fetten, zuschneiden und trocknen
  • die Felle strecken, dehnen und klopfen, um sie weich und geschmeidig zu machen
  • Innenseite mit einer Schleifmaschine glatt schleifen
  • Fellhaare aufrauen, kämmen und bürsten

In jedem Beruf brauchst du spezielles fachliches Know-how, das in der Aus- und Weiterbildung vermittelt wird. In den beiden Menüpunkten Ausbildung und Weiterbildung findest du Informationen zu Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für diesen Beruf.

Es gibt auch Kompetenzen, Fähigkeiten und Eigenschaften, die in allen Berufen wichtig sind. Dazu gehören besonders:

  • Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit
  • genaues und sorgfältiges Arbeiten
  • selbstständiges Arbeiten
  • Einsatzfreude
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Fähigkeit und Bereitschaft mit anderen zusammen zu arbeiten (Teamfähigkeit)
  • Lernbereitschaft

Die folgende Liste gibt dir einen Überblick über weitere allgemeine Anforderungen, die in DIESEM Beruf häufig gestellt werden. Diese können natürlich je nach Betrieb, Institution oder Organisation sehr unterschiedlich sein.

DENK DARAN: Viele dieser Anforderungen sind auch Bestandteil der Ausbildung.

Hinweis: Die Begriffe werden in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet.

    Körperliche Anforderungen: Welche körperlichen Eigenschaften sind wichtig?

  • Fingerfertigkeit
  • gute körperliche Verfassung
  • Unempfindlichkeit gegenüber chemischen Stoffen
  • Unempfindlichkeit gegenüber Gerüchen

     

    Fachkompetenz: Welche Fähigkeiten und Kenntnisse werden von mir erwartet?

  • chemisches Verständnis
  • gute Beobachtungsgabe
  • gutes Augenmaß
  • handwerkliche Geschicklichkeit

     

    Sozialkompetenz: Was brauche ich im Umgang mit anderen?

  • Kommunikationsfähigkeit
  • Kund*innenorientierung

     

    Selbstkompetenz: Welche persönlichen Eigenschaften sollte ich mitbringen?

  • Aufmerksamkeit
  • Flexibilität / Veränderungsbereitschaft
  • Sicherheitsbewusstsein
  • Umweltbewusstsein

     

    Methodenkompetenz: Welche Arbeits- und Denkweisen sind wichtig?

  • systematische Arbeitsweise

Die Lehrausbildung im Beruf Rauwarenzurichter*in wurde per 31. Mai 2019 aufgehoben. In diesem Beruf können keine neuen Lehrausbildungen mehr begonnen werden.

Selbstständigkeit

Die Möglichkeit einer selbstständigen Berufsausübung ist gegeben durch:

Freies Gewerbe: u. a.:

  • Rauwarenzurichter
  • Gerber

Informationen zum „Freien Gewerbe“: freie Gewerbe erfordern in der Regel keinen Befähigungsnachweis, sondern lediglich eine Anmeldung bei der Gewerbebehörde. Grundsätzlich richtet sich der Gewerbeumfang nach dem Wortlaut der Gewerbeanmeldung.

Liste der Freien Gewerbe:


ALLGEMEINE HINWEISE:

Für jede Tätigkeit, die Sie selbstständig, regelmäßig und mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, ausüben wollen, brauchen Sie eine Gewerbeberechtigung (Ausnahme: Freie Berufe). Diese erhalten Sie durch Anmeldung bei der Gewerbebehörde (Bezirkshauptmannschaft, Magistrat).
Unabhängig von einem etwaigen Befähigungsnachweis müssen sie dafür folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • das 18. Lebensjahr muss vollendet sein
  • österreichische Staatsbürgerschaft oder Staatsbürgerschaft eines anderen EU-Mitgliedstaates (oder eines Staates, mit dem ein entsprechender Staatsvertrag besteht) oder es liegt ein gültiger Aufenthaltstitel vor, der zur selbstständigen Tätigkeit berechtigt
  • keine Ausschließungsgründe (z. B. abgewiesene Konkursanträge, Bestrafung wegen Finanzstrafdelikten)

In allen Fällen einer selbstständigen Berufsausübung (ob im Rahmen eines Gewerbes oder als freiberufliche Tätigkeit) ist diese bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft und dem zuständigen Finanzamt zu melden.

Weitere Informationen und Kontakte:

Alternativen (Auswahl)

Alternative Berufe sind Berufe, die entweder eine ähnliche Ausbildung oder ähnliche Aufgaben- oder Tätigkeitsbereiche haben, wie der Beruf, über den du dich gerade informierst. Die Ähnlichkeit kann auch in den Arbeitsmaterialien, den Arbeitsumgebungen liegen oder in der Art, wie du mit anderen Menschen zusammenarbeitest.

Diese Liste soll dir bei der Überlegung helfen, welche Berufe und Ausbildungen für dich noch interessant sein könnten und dich auf weitere Ideen bringen.

    Berufsinfos werden zur Verfügung gestellt von:

    Folgende Inhalte löschen:

    Arbeitsbereiche

    Rauwarenzurichtungsbetriebe sind üblicherweise räumlich in Nass- und Trockenwerkstätten geteilt. In der Nasswerkstatt finden die Vorbereitungsarbeiten für die Gerbung und der Gerbvorgang selbst statt. In der Trockenwerkstatt erfolgt die Weiterverarbeitung und Veredelung der Felle. Es hängt von der Betriebsgröße ab, in welchem Bereich Rauwarenzurichter*innen eingesetzt werden und welche Tätigkeiten sie verrichten. Die meisten Betriebe sind nicht spezialisiert und verarbeiten sämtliche Arten von Fellen wie z. B. Nerz, Fuchs, Kaninchen, Nutria, Schaf, Waschbär, Katze, Hase, Kalb und Wildschwein.

    Rauwarenzurichter*innen sortieren die Rohfelle und stellen sie je nach Fellart zu Partien für die Weiterverarbeitung zusammen. Sie weichen die Felle in Bottiche und Fässer mit Waschmittellösungen ein, um sie von Schmutz und Blutresten zu reinigen und entfernen das noch anhaftende Fleisch. Danach beizen sie die Felle, indem sie sie in eine mit Kochsalz und organischen Säuren (vor allem Ameisensäure) versetzte Lösung legen, um das Fasergefüge der Haut aufzulockern.

    Rauwarenzurichter*innen setzen in Fässern oder Trommeln die Gerblösung an und lassen die Felle 12 bis 24 Stunden darin liegen. Die Rezeptur der Gerblösung richtet sich nach der Fellart, üblicherweise verwenden Rauwarenzurichter*innen Alaun (Aluminiumsalze), Chromsalze und synthetische Gerbstoffe. Danach behandeln sie die Felle chemisch und mechanisch, um ihnen die erforderlichen Eigenschaften zu verleihen: Rauwarenzurichter*innen fetten die Felle, schneiden sie auf gleichmäßige Dicke und spannen sie zum Trocknen auf. Sie strecken, dehnen und klopfen die Felle, um sie weich und geschmeidig zu machen und schleifen und rauen das verfilzte Haarkleid auf.

    Arbeitsmittel

    Rauwarenzurichter*innen verwenden bei ihrer Arbeit Werkzeuge wie Kreismesser und weitere verschiedene Messer, Kämme, Bürsten. Sie arbeiten an und mit Entfleischmaschinen, Schleifmaschinen, Pressen, Nähmaschinen usw. Sie verarbeiten Felle aller Art (z. B. Nerz, Fuchs, Kaninchen, Schaf) und hantieren mit verschiedenen Säuren, Laugen sowie mit organischen und anorganischen Gerb- und Farbstoffen.

    Arbeitsumfeld

    Rauwarenzurichter*innen arbeiten in gewerblichen und industriellen Werkstätten und Fertigungshallen. Sie arbeiten mit Arbeitskolleg*innen sowie mit weiteren Fach- und Hilfskräften zusammen. Je nach Betriebsgröße haben sie Kontakt mit Kund*innen und Lieferant*innen.

    • Gewerbliche Gerbereien
    • Klein- und Mittelbetriebe der Leder erzeugenden Industrie (vorwiegend Steiermark, Niederösterreich und Oberösterreich)

    Weiterbildung und der Erwerb von Spezialkenntnissen verbessern die Beschäftigungsmöglichkeiten für Rauwarenzurichter*innen. Neue Entwicklungen und Weiterbildungsbereiche sind z. B.:

    • Neue Entwicklungen, Schnitte und Trends
    • Leder und Felle, neue Gerb- und Farbstoffe
    • EDV, Finanz- und Rechnungswesen, Verkauf, Marketing etc.
    • Kundenbetreuung und -beratung

    Das Berufsförderungsinstitut (bfi) und das Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) bieten Kurse in fast allen genannten Bereichen an, außerdem Kurse und Vorbereitungskurse für die Meister*innenprüfung.

    Studium ohne Matura:

    Für ein Studium an einer Fachhochschule, Universität oder Pädagogischen Hochschulen ist normalerweise die Matura einer Allgemeinbildenden (AHS) oder Berufsbildenden Höheren Schule (BHS) erforderlich.
    Es bestehen aber auch andere Zugangsmöglichkeiten:

    • Berufsreifeprüfung (Lehre mit Matura): Die Berufsreifeprüfung, die du bereits während deiner Lehrzeit beginnen kannst, ist eine vollwertige Matura, mit der du uneingeschränkten Zugang zum Studium hast.
    • Studienberechtigungsprüfung: Die Studienberechtigungsprüfung kannst du vor Beginn eines Studiums ablegen. Sie ermöglicht den Zugang zu einem bestimmten Studium.
    • ohne Matura mit Berufsausbildung und Berufserfahrung: Fachhochschulen bieten außerdem meist die Möglichkeit mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung (insb. Lehre oder Berufsbildender Mittlerer Schule (BMS)) und mehrjähriger Berufserfahrung auch ohne Matura ein facheinschlägiges (d. h. mit der Berufsausbildung fachlich verwandtes) Bachelorstudien zu beginnen. Meist müssen dazu einzelne Zusatzprüfungen absolviert werden.

    Weiterführende Bildungsmöglichkeiten und Höherqualifizierung:

    Abbalgen

    Das Abziehen des Balges (Tierhaut mit Fell oder Federn) vom Tierkörper.